Schüler und Ehemalige berichten

Herlito D. Cabantugan

Herlito (Boystown Adlas) ist ein guter Schüler. 

  

Ich danke Gott, dass ich hier sein darf

Auf einer einsamen Insel bin ich geboren und aufgewachsen. Ich heiße Herlito D. Cabantugan, bin 14 Jahre alt und habe noch eine Schwester. Meine Mutter hat uns verlassen als ich sieben war und so muss mein Vater alleine für uns sorgen. Er arbeitet auf unserer kleinen Farm und ist oft von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf den Feldern unterwegs. Es war anfangs eine schwere Zeit für uns drei, oft habe ich geweint und große Angst vor dem nächsten Tag gehabt. Aber mein Vater liebt uns wirklich sehr und ist uns ein fleißiges Vorbild.

So lange ich denken kann, gingen wir meinem Vater zur Hand. Wir pflanzten gemeinsam Cashew-Nussbaum-Setzlinge, bauten Gemüse an oder trugen Bambusrohre auf den Markt. Ich war noch keine sechs Jahre alt, als ich Holz sammeln musste, um Holzkohle zu machen. Mit acht durfte ich dann selbst beim Abbrennen mithelfen. Manchmal mussten wir eine ganze Woche lang nach dem Brand schauen, bevor wir die Holzkohle in Säcke packen konnten. Etwa 90 Minuten benötigten wir für den Weg bergab bis zum kleinen Hafen, dann noch einmal eine Stunde in einem Boot bis wir in San Jose auf dem Markt waren.

Auch wenn wir eine kleine Farm haben, hatten wir oft nicht genug zu Essen. Manchmal ging ich in die Schule und hatte nichts zu essen und auch keine Hefte oder Stifte dabei. Wir könnten es uns nicht leisten. Auf dem Weg zur Schule klaute ich ein paar Datteln vom Tamarindenbaum des Ortvorstehers. Meine Noten in der Schule waren schlecht, denn ich war nicht regelmäßig anwesend und mit quälendem Hunger konnte ich mich auch nicht richtig konzentrieren.

Dank der Freundlichkeit und Güte der Schwestern Maria, haben sie mich trotzdem interviewt und mir die große Chance auf eine Ausbildung bei ihnen gegeben.

Und dann war es endlich so weit. Am 5. April verabschiedete ich mich von meinem Vater und meiner Schwester, bestieg das Boot und machte ich auf den Weg in die Boystown Adlas.

Die ersten Tage waren mit Heimweh erfüllt. Alles war neu, auch die Kleidung, das regelmäßige Essen, das eigene Bett und die liebevolle Fürsorge durch meine Mutter-Schwester. Ein älterer Schüler gab mir Nachhilfe und nach ein paar anstrengenden Wochen konnte ich dem normalen Unterricht recht gut folgen.

Mittlerweile denke ich, dass es kein größeres Geschenk gibt, als in dieser Schule lernen zu dürfen und damit meinem Vater nicht mehr finanziell zur Last zu fallen. Ich verspreche, den Schwestern und Lehrern zu gehorchen, fleißig zu sein und mich anzustrengen. Später möchte ich selber einmal Lehrer sein. Ich danke Gott, dass ich hier sein darf und allen Schwestern, die mir auf meinem Weg helfen.